Brigitte Hamann: Elisabeth
In 14 Kapitel beschreibt Brigitte Hamann detailliert das Leben der Kaiserin Elisabeth - und räumt dabei mit so manchem Sisi-Klischee auf (also keine Biographie für alle, die sich das Elisabeth-Bild
der bekannten Filme erhalten wollen). Hamann hat dabei einen wunderbaren Schreibstil: Leicht verständlich und flüssig zu lesen, und dass obwohl sie wissenschaftlich fundiert auf Basis von
umfangreichem historischen Quellenmaterial arbeitet. So lernt man Sisi nicht nur anhand einer Reihe von aufgezählten Daten der Geschichte kennen, sondern erlebt die Kaiserin beispielsweise in
Gedichten, Tagebucheinträgen und Briefwechseln. Besonders glaubhaft wird die Biografie dadurch, dass Hamann ehrlich auf "Löcher" in der Forschung hinweist (wenn z.B. keinerlei Quellen mehr zu einem
bestimmten Sachverhalt vorhanden sind), anstatt sich in unbegründeten Spekulationen zu verrennen. Das Tüpfelchen auf dem i sind neben einer Zeittafel und Stammtafeln die 103 Abbildungen im Buch -
schließlich kann man kaum über die schönste Frau einer Epoche schreiben, ohne sie auch zu visualisieren... Diese Biographie ist eine der besten, die ich seit langem gelesen habe! Hut ab!
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Dieter Wunderlich: EigenSinnige Frauen
Dieter Wunderlich zeichnet in „EigenSinnige Frauen" das Portrait von zehn großen weiblichen Persönlichkeiten. Jeweils rund 20 Seiten inkl. einem Bild umfassen die Skizzen zu Johanna von Orléans,
Maria Ward, Maria Sibylla Merian, Madame de Pompadour, Rahel Varnhagen, Marie Curie, Coco Chanel, Frida Kahlo, Simone de Beauvoir und Ulrike Meinhof. All diese Frauen haben eines gemeinsam: Sie
widersprachen den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit, um ihren eigenen Lebensentwurf zu verwirklichen.
Dieses Buch ist fundiert recherchiert und um Faktentreue bemüht, aber trotzdem für jeden am Thema Interessierten geeignet, denn man muss nicht Geschichte studiert haben, um den Porträts folgen oder
die Handlung einordnen zu können. Daher ist „EigenSinnige Frauen" eine wunderbare Einstiegshilfe: Hier findet man einen griffigen Überblick, der unterhaltsam und spannend zu lesen ist - und so zu
mehr inspiriert.
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Waris Dirie: Wüstenblume
"Wüstenblume" ist die Autobiographie von Waris Dirie, geboren und aufgewachsen als Nomadentochter in Somalia, heute erfolgreiches Topmodel auf den großen internationalen Laufstegen. In 18 Kapiteln
beschreibt die Autorin ihren Werdegang, startet jedoch nicht am Anfang, sondern mit ihrer Flucht aus Somalia (Kapitel 1 heißt "Die Ausreißerin"). In den Kapiteln zwei bis fünf erzählt Waris Dirie in
einem Rückblick von ihrer einzigartigen Kindheit in der freien Natur in der Wüste Somalias, die sie - abgesehen von FGM (= Female Genital Mutilation = weibliche Genitalverstümmelung) mit niemandem
auf der Welt tauschen möchten. Ab Kapitel 6 geht es um die Erfahrungen von Waris Dirie "in der großen weiten Welt": ihr Leben in Mogadischu, London, New York, ihr Leben als Dienstmädchen, Model und
UNO-Botschafterin. Was das Buch zusätzlich zum außergewöhnlichen Lebensweg der Hauptfigur besonders lesenswert macht, ist in meinen Augen die eher nüchterne Sprache: Waris Dirie erzählt ihr Leben
(und vor allem ihr Leiden) nicht in einem pathetischen Tonfall, sondern vergleichsweise schlicht - was dem Leser ermöglicht, sich einen eigenen Eindruck zu bilden. Diese Art der Erzählweise
unterstreicht die unglaubliche Stärke von Waris Dirie. Eine beeindruckende Frau mit einem bemerkenswerten Durchhaltevermögen!
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Waris Dirie: Nomadentochter
„Nomadentochter“ ist nach „Wüstenblume“ das zweite Buch von Waris Dirie. Es erzählt von Waris Diries Reise nach Somalia, 20 Jahre nachdem sie aus Angst vor einer Zwangsheirat aus ihrer Heimat
geflohen ist. Man erfährt von ihrer abenteuerlichen Reise nach Somalia, vom Wiedersehen mit Mutter, Vater und dem Rest der großen Familie und vom beschwerlichen Alltag in Somalia. Durch die Augen von
Waries Dirie erlebt man zwei Gesellschaften, wie sie verschiedener nicht sein können: das uns bekannte Leben in der westlichen Hemisphäre auf der einen Seite, auf der anderen Seite die somalische
Lebensweise, wie man sie sich als Bürger einer Industrienation kaum vorstellen kann. Trotz aller Wiederholungen zu „Wüstenblume“ ist „Nomadentochter“ ein lesenswertes Buch – allerdings reicht es
nicht an die Ausdrucksstärke von „Wüstenblume“ heran. Wer sich also zwischen dem einen oder dem anderen Band entscheiden muss, sollte zu „Wüstenblume“ greifen.
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Wolfgang Drews: Gotthold Ephraim Lessing
Eine wenig ansprechende Biographie, die aus einer Aneinanderreihung von Zitaten aus Lessings Werken und Briefen besteht und dabei kaum zu eigenen Erkenntnissen gelangt. Auch wird der Leser des
Öfteren in die Irre geführt, wenn beispielsweise in den Kapiteln über die frühen Jahre Lessings Briefe aus einer viel späteren Zeit zitiert werden, ohne jedoch darauf zu verweisen. Ebenfalls als sehr
störend empfinde ich den ellipsenhaften Stil des Autors. Dass dessen "Qualifikation" (d.h. einschlägiges Studium etc.) im Buch nicht erwähnt wird, hätte mich von Anfang an stutzig machen müssen ...
Um mit Lessing zu sprechen: Mit sieben Euro bezahlt man das Lächerliche und mit 50 Cent das Nützliche.
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