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Chantal Schreiber: Auszeit, Schonzeit, Hochzeit

Chantal Schreiber kennt man sonst als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Erstmals hat sie mit "Auszeit, Schonzeit, Hochzeit" einen Roman für Erwachsene geschrieben. Und der ist wirklich gelungen! Gut gezeichnete Charaktere, frech und witzig geschrieben, immer wieder überraschende Wendungen in der Handlung, schlagfertige Dialoge. Fazit: Ein spritziger Roman zum Wohlfühlen. Doch Achtung: Suchtgefahr! Ich habe ihn in einem Tag verschlungen.

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Chantal Schreiber: Miss Galaxy

"Miss Galaxy" ist nicht, wie man vielleicht beim ersten Lesen des Titels denken mag, wieder irgendein Werk für junge Mädchen über die wunderbare, glamouröse Modelwelt à la Heidi Klum und Co. "Miss Galaxy" hebt sich ab, und das nicht nur, weil die Autorin selbst einmal an einer Miss World Wahl teilgenommen hat (wie viele können das schon von sich behaupten?), sondern vor allem, weil Chantal Schreiber in diesem Roman auf unterhaltsame Weise mit Klischees spielt. Es ist ein Roman über Freundschaft, über Zukunftspläne und Träume, über (Anti-)Schubladendenken und über die Liebe. Die Charaktere und die Situation der Misswahl sind - wie immer bei Chantal Schreiber - mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet. Die Dialoge sind rasant und frech, der Roman insgesamt an keiner Stelle langweilig. Damit von mir eine klare Kaufempfehlung!

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Jan Weiler: Maria, ihm schmeckt's nicht

"Ich heirate eine Familie" könnte ein ebenfalls passender Titel für den Roman "Maria, ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler sein. Und zwar in diesem Fall eine italienische. Das Buch erzählt von den vielen Erlebnissen eines jungen Deutschen mit der angeheirateten italienischen Sippe seiner Ehefrau, allen voran Schwiegervater Antonio Marcipane. Der Autor schreibt witzig, spielt mit Klischees, lässt sich entspannt und schnell lesen, ist also kurz gesagt leichte Unterhaltung. "Nett zum Drüberstreun" wie man in Wien so schön sagt.
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Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Schon der Titel von Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" führt den Leser aufs Glatteis, denkt man doch, in einen Strudel aus Physik- und Mathematik-Vokabular hineingezogen zu werden, während man sich mit Leben und Werk des Mathematikers und Astronomen Carl Friedrich Gauß und des Naturforschers und Geographen Alexander v. Humboldt auseinandersetzt. Es handelt sich jedoch nicht um eine Biografie im klassischen Sinne: Historische, biografische und wissenschaftliche Details verschwinden zugunsten eines unterhaltsam zu lesenden Romans über zwei schrullige Forscher (Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nahe beieinander). Fakten und Fiktion sind kaum zu unterscheiden, wenn man sich nicht vorher ausgiebig mit dem Leben der beiden Protagonisten beschäftigt hat. Das spannende an diesem Roman ist - neben den großartigen Dialogen - die Tatsache, dass sowohl Gauß als auch Humboldt die Welt vermessen wollen, beide aber sehr unterschiedlich zum Ziel kommen (während der eine abenteuerliche Reisen unternimmt, beweist der andere über Formeln, dass der Raum sich krümmt). Wer sich mit Sehnsüchten und Schwächen, Scheitern und Erfolg, Größe und Lächerlichkeit zweier Genies unterhalten lassen will, muss zu diesem Buch greifen.
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Christopher Buckley: Danke, daß Sie hier rauchen
Wer im Berufsfeld Public Relations tätig ist, sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen! Zwar ist die Hauptfigur definitiv Nick Naylor, Chefsprecher der Akademie für Tabakstudien, doch ist in meinen Augen nicht die Handlung an sich (d.h. der Mordversuch an Nick Naylor und die anschließende Intrige) interessant, sondern vielmehr die Wortgefechte zwischen Nick Naylor und den amerikanischen Medien sowie die Gespräche mit seinen Berufskollegen Bobby Jay Bliss, Sprecher der Gesellschaft für Schusswaffen-Absatz-Förderung, und Polly Bailey, Sprecherin der Spirituosen-, Wein- und Bierhersteller. Gemeinsam treffen sich die drei, die sich selbstironisch als "Merchants of Death" (Händler des Todes) bezeichnen, immer wieder zum Mittagessen, um aktuelle Probleme zu diskutieren. Sie wissen um ihre unpopuläre Aufgabe und kämpfen trotzdem jeden Tag wieder gegen die Gesundheitslobby des Landes. Highlights des Buches sind definitiv die brillanten Rededuelle des Meisterdemagogen Nick Naylor, die die Macht des Wortes illustrieren - und die Macht, die Medien auf die öffentliche Meinung haben. Als Tätiger in der PR-Branche kommt man beim Lesen kaum umhin, sich selbst die Frage nach Wahrheit, Transparenz und Glaubwürdigkeit zu stellen.
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Anna Seghers: Das siebte Kreuz. Ein Roman aus Hitlerdeutschland.
Anna Seghers gelingt es in diesem anspruchsvollen Roman, vor den Augen des Lesers ein überaus präzises Bild der Gesellschaft in Nazi-Deutschland entstehen zu lassen - und das ist umso mehr als bemerkenswerte Leistung zu würdigen, wenn man bedenkt, dass sich die Autorin schon seit 1933 im Exil befand und dort auch den Roman geschrieben hat! Warum anspruchsvoll? Anna Seghers beschreibt die Flucht nicht durchgängig aus der Sicht der Hauptfigur Georg Heisler, sondern in einzelnen Episoden, d.h. sie springt zwischen verschiedenen Personen und Situationen, diese sind aber alle wiederum durch die Flucht miteinander verwoben. Eine Erzählweise, die Spannung garantiert! Beeindruckend sind darüber hinaus die sehr detaillierten Figurenbeschreibungen, die ohne Klischees auskommen. Zu Recht ein Klassiker der deutschen Literatur, den man unbedingt gelesen haben sollte!
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Martin Suter: Business Class, Band I
Martin Suter bringt mit wenigen Sätzen (keine Geschichte ist länger als zwei Buchseiten) das Leben zwischen Büromöblierung und Beförderung, Dampfplauderern und Wichtigtuern, Unternehmenshackordnung und Führungsstilen, Kompetenzgerangel und Karriereleiter auf den Punkt. Bitterböse und leicht überzogen deckt er die Marotten des Managements auf. Schadenfreude garantiert! Darüber hinaus ertappt man sich immer wieder bei dem Gedanken: „Das kommt mir doch bekannt vor! Genau wie Kollege x, Ex-Mitarbeiter y oder Abteilungsleiter z.“ Wer Sarkasmus liebt, für den ist dieses Buch ein absolutes Muss. Unbedingt zugreifen! Doch Achtung: Wunden im eigenen Ego möglich…
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Ulla Hahn: Das verborgene Wort
„Das verborgene Wort“ hat mich sehr gefesselt, bringt es doch wie kaum ein anderes Buch meine beiden Leidenschaften Geschichte und Literatur gemeinsam zur Sprache: Ulla Hahn entführt ihre Leser in das Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre, als Adenauer regierte, Plumpsklos und Baden im Bottich noch an der Tagesordnung waren und Fernsehgeräte als das höchste der Technik galten. Der Leser begleitet Hildegard 'Heldejaad' Palm: Wie sie aufwächst in einer katholisch geprägten Familie, im Rheinland, in dem die Kirche noch eine bedeutende Position hat und Plattdeutsch gesprochen wird. Doch Hildegard ist anderes: Sie spricht Hochdeutsch, zitiert Dichter, sammelt schöne Wörter, kreiert Wortspiele, träumt von einem Brockhaus und der Mittelschule, die sie unbedingt besuchen möchte – gegen den Willen ihrer Eltern. „Das verborgene Wort“ ist ein einmalig schönes Buch, das jedoch nicht für Jedermann geeignet ist: Man muss willens sein, sich durch viele Sequenzen Dialekt (immerhin: die extremsten Ausdrücke sind in den Fußnoten übersetzt) und 600 Seiten Text (nicht immer wird die Handlung vorangetrieben, oft gibt es seitenweise Beschreibungen ohne „Action“) zu kämpfen. Wer das auf sich nimmt, wird belohnt mit einer hervorragenden Milieustudie und einer Authentizität, die ihresgleichen sucht.
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Nick McDonell : Zwölf
Wer „Zwölf“ von Nick McDonell gelesen hat, kann über soviel Talent eines erst 17-jährigen Autors nur blass werden: Nick McDonell erzählt fünf Tage (27. Dezember bis Silvester) im Leben der Jugendlichen New Yorks, Marke „reich und schön“. Zahlreiche Charaktere dieser Upper Class-Kids – mitten drin die Hauptfigur Drogendealer „White Mike“ – werden beschrieben. Sie alle haben trotz ihres privilegierten Lebensstils eines gemeinsam: Orientierungslosigkeit. Sie, denen es an allem außer Geld mangelt, vertreiben sich mit Gewalt, Sex- und Drogenpartys die geistige Langeweile und Leere ihres Luxuslebens. Und sie alle suchen insgeheim nach einem Stück Normalität – sei es durch Kuscheltiere, eine CD von James Taylor oder das Interesse an Vogelkunde. Nick McDonell dokumentiert ihr Leben bis zum bitteren Ende – ohne sentimental zu werden, den Zeigefinger zu erheben, Alternativen aufzuzeigen oder Schuldige zu suchen. Meine Empfehlung: Unbedingt auf den Sog dieser Geschichte einlassen!
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Bernhard Schlink: Liebesfluchten
„Liebesfluchten“ von Bernhard Schlink enthält sieben in sich abgeschlossene Geschichten, die von der Flucht aus oder in die Liebe (nicht immer nur klassisch zwischen Mann und Frau, sondern z.B. auch zwischen Vater und Sohn) erzählen. Dabei stolpern die Protagonisten unweigerlich immer wieder über ihre persönliche oder die „übergeordnete“ Vergangenheit (Nationalsozialismus, Teilung Deutschlands), der sie einfach nicht davonlaufen können. Eine zeit- und raumlose Liebe scheint unmöglich zu sein. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Geschichten:
  1. Das Mädchen mit der Eidechse (Thema: Kunstraub im Dritten Reich. Liebe zu einem Bild.)
  2. Der Seitensprung (Thema: Eine Liebe in Berlin vor und nach der Wende, vor und nach Bekannt werden von Stasi-Aktivitäten.)
  3. Der Andere (Thema: Entdecken eines Ehebruchs nach vielen Jahren. Die Ehefrau aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen.)
  4. Zuckererbsen (Thema: Beziehung eines Mannes mit drei Frauen gleichzeitig.)
  5. Die Beschneidung (Thema: Das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden, Rechtfertigungsdruck der jungen Generation.)
  6. Der Sohn (Thema: Vater-Sohn-Beziehung.)
  7. Die Frau an der Tankstelle (Thema: Angst vor und gleichzeitig Sehnsucht nach Veränderung.)
Alle Geschichten nehmen nicht zufällig oder plötzlich ihren unverhofften Verlauf, sondern waren schon lange durch den Charakter der Protagonisten und deren Platz in der Historie zu diesem Verlauf verdammt. Ob ein Ende ein „Happy End“ ist, sei jedem Leser selbst überlassen – ein überraschendes ist es allemal. Wer Liebesgeschichten rund um Sehnsüchte und Verwirrungen, Nähe und Einsamkeit, Verstrickung und Schuld, Lebensentwürfe und Lebensverantwortung ohne Pathos lesen will, ist mit Schlinks „Liebesfluchten“ hervorragend bedient. Tipp!
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Scott Adams: Dilbert und die Stunde des Wiesels
Leider kann das Buch "Dilbert und die Stunde des Wiesels" nicht mit den reinen Cartoon-Bänden von Scott Adams mithalten. Während die Cartoons Situationen des täglichen Arbeitsalltags in pointierter Form auf den Punkt bringen, ist das Buch sehr weitschweifig und stellenweise langatmig. Mir gleitet das Buch zu sehr in Richtung Ratgeber ab, dabei steht Dilbert eigentlich für Satire. Trotz allem aber lustig zu lesen. Eine nette Auflockerung sind die immer wieder eingestreuten Cartoons und E-Mails, die von Büro-Absurditäten berichten. Damit ist dieses Buch auf jeden Fall ein Muss für jeden eingefleischten Dilbert-Fan. Einsteigern empfehle ich eher ein reines Comic-Buch, z.B. "Dilbert - Wir machen Gewinn, sobald der Komet einschlägt".
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T. C. Boyle: Schluß mit cool / Erzählungen
„Schluß mit cool“ ist der Titel für T.C. Boyles Sammelband von 16 Kurzgeschichten, die teils etwas kafkaeskes haben, aber leichter zu konsumieren sind als Franz Kafkas Werke. Boyle schildert Alltagsschicksale des Mittelstandes, entlarvt dabei vermeintlich gelungene Lebensentwürfe und den gesellschaftlichen Zerfall der viel gerühmten Zivilisation. Man wird dabei erinnert an so manch unglaubliche Geschichte oder Katastrophe, die man in den Zeitungen meist unter „Vermischtes“, „Buntes aus aller Welt“ oder „Chronik“ liest. Allerdings verfällt Boyle nicht in einen pathetischen Katastrophenstil. Die Wende, der Drehpunkt kommt überraschend: Was gerade noch heile Welt war, kippt im nächsten Moment. Hoffnung wandelt sich in Scheitern. Boyle stellt dabei aber niemals die Frage: Wie konnte diese Idylle in Hass, Mord und Tod abgleiten? Nein, in seinen Geschichten scheint Gewalt eine Berechtigung zu haben. Boyles Weltsicht bietet wenig Optimismus. Seine große literarische Kunst liegt im Reduzieren. Boyle schafft es mit ein paar Sätzen eine Szenerie zu entwerfen, in der alles Wesentliche konzentriert ist. Den Leser hat es nicht schwer, in die Welt seiner Charaktere einzutauchen. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch.
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